Eltern fragen mich gelegentlich nach einem Rezept für Neurofeedback, häufig auf Empfehlung einer ergotherapeutischen Praxis. Ich verordne keine Ergotherapie für eine Neurofeedback-Behandlung bei ADHS. Der Grund: Es ist nicht nachgewiesen, dass dieses Verfahren die Beschwerden zuverlässig verbessert.
Beim Neurofeedback wird die Hirnaktivität, meist über ein EEG, gemessen und auf einem Bildschirm angezeigt. Das Kind soll lernen, diese Aktivität zu beeinflussen, um sich besser konzentrieren und sein Verhalten besser steuern zu können.
Eine große wissenschaftliche Übersichtsarbeit hat 38 Studien mit insgesamt 2.472 Teilnehmern ausgewertet. Besonders aussagekräftig waren dabei die Einschätzungen von Personen, die nicht wussten oder wahrscheinlich nicht wussten, ob ein Kind Neurofeedback oder eine andere Behandlung erhalten hatte. So lässt sich besser unterscheiden, ob eine Behandlung tatsächlich hilft oder die Erwartungen die Bewertung beeinflussen.
Dabei zeigte sich kein überzeugender Nutzen für die typischen ADHS-Beschwerden: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Einzelne kleine positive Ergebnisse ändern diese Gesamteinschätzung nicht. Die Autoren empfehlen Neurofeedback daher nicht als eigenständige ADHS-Behandlung. 1
Eine ärztliche Verordnung setzt voraus, dass ich einen ausreichend belegten Nutzen für Ihr Kind erwarten kann. Diese Grundlage sehe ich bei Neurofeedback zur Behandlung von ADHS derzeit nicht. Deshalb stelle ich hierfür kein Rezept aus.
Das betrifft gezielt Neurofeedback. Ergotherapie kann wegen anderer Schwierigkeiten Ihres Kindes sinnvoll sein; dafür müssen entsprechende Gründe und konkrete Behandlungsziele vorliegen.
Quelle
- Westwood SJ et al. Neurofeedback for Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Psychiatry. 2025;82(2):118–129. Zum Artikel. doi:10.1001/jamapsychiatry.2024.3702 ↩︎
